Flöten en bloc

FloetenEnBloc.jpg
Das Ensemble 'Flöten en bloc' bei einem Konzert in Friesenheim - Quelle: Badische Zeitung, 13.02.2009, Foto: Frank Leonhardt

Das im Herbst 2005 gegründete Ensemble hat bereits zahlreiche Auftritte hinter sich; zur Zeit besteht es aus Jessica Urbschat, Corinna Brünger, Ellen Heydgen, Catherine Renno und Uwe Schlottermüller. Zwei weitere Spieler stehen für Projekte mit erweiterter Besetzung bereit. Das Trioprogramm BAROCK-POST-BAROCK (s.u.) wurde u.a. in Meersburg, Eichstetten und St. Peter gespielt.

Im Repertoire befinden sich neben den "klassischen" Blockflötenstücken der Renaissance immer wieder auch Stücke mit Sprechern, so Opernbearbeitungen und Melodramen (H.M.Linde).

Oper im Salon: The Fairy Queen

Die Sage um den Ritter Hüon handelt von dessen Bußfahrt nach Bagdad; dort soll er dem Kalifen eine Handvoll Barthaare sowie einige Backenzähne, seiner Tochter aber nur einen Kuss rauben. Wahrlich keine leichte Aufgabe! Zur Unterstützung bekommt er den alten Scherasmin (der bereits seinem Vater diente) an die Seite gestellt. Viele Abenteuer warten auf die beiden ...

In Purcells Oper wird aus der ganzen Geschichte nur eine Episode herausgegriffen: Die Feenkönigin Titania verzaubert auf einem Fest einen unwillkommenen Gast in einen Esel; ihr Gatte Oberon treibt den Scherz jedoch noch weiter: Er lässt Titania in Liebe zu diesem Eselskopf entbrennen - ein Blumenstrauß macht's möglich ...

Der beliebte Stoff wurde von Shakespeare 1592 in Ein Sommernachtstraum verarbeitet, Purcells Oper entstand 1692/3, 1780 zog er Christoph Martin Wieland in seinen Bann; Carl Maria von Weber und Paul Wranitzky schrieben Opern, Felix Mendelssohn verfasste eine Bühnenmusik zu dem Thema.

BAROCK - POST - BAROCK

In diesem Programm haben wir uns der zahlreichen barocken Trios und Sonaten ohne Bass angenommen, die nur selten in Kammerkonzerten zu hören sind. Dabei sollte alte und „neue“ Barockmusik kombiniert werden. Parallel dazu empfanden wir es als reizvoll, die barocke Lyrik mit Texten zu konfrontieren, die man als „postbarock“ bezeichnen kann. Nachdem auch GOOGLE mit nur einem Ergebnis bei der Kombination „Lyrik/postbarock“ aufwarten konnte, schien uns das Unternehmen interessant genug – zumal H. C. Artmann bereits zu den favorisierten Autoren gehörte. 

„Nach Neo-Dada und Neo-Expressionismus [...] nun also Neo-Barock, weil ja im Zeitalter der Postmoderne Stilwiederholungen zum Prinzip geworden zu sein scheinen: Der ‚Geist der Zeit’ macht seine Anleihen überall und verbindet sie zu beliebigen Mixturen, ‚anything goes’! – Man kann aber auch anders als mit dem schnieken Mode-Stichwort der Stunde argumentieren: was in der Literatur mal da war, geht nie wieder ganz verloren, es bleibt der Erinnerung eingeschrieben, und die Geschichte der Aktualisierung unterschiedlicher historischer Positionen der Literatur ist selbst ein interessantes Kapitel der fortschreitenden Literaturgeschichte. In diesem Sinne ist ‚Neobarock“ nicht erst ein Stichwort von 1991 oder 1992, sondern längst schon von gestern und vorgestern – und eben deshalb auch ein Stichwort von heute!“
(Karl Riha in: M. Lüdke, D. Schmidt (Hrsg.): Rowohlt Literaturmagazin 29. Verkehrte Welten. Barock, Moral und schlechte Sitten, Reinbek bei Hamburg 1992, S. 83)

Was den Hörer erwartet ist barocke Musik von Mattheson, Quantz und Weidemann sowie „postbarocke“ von Giovanni Paolo Simonetti (alias Winfried Michel). G. Ph. Telemann nimmt insofern eine interessante Mittlerfunktion im Programm ein, da seine Trios unvollständig überliefert sind und von Simonetti ergänzt wurden. Die Texte stammen von W. v. Niebelschütz, H. C. Artmann, Francisco de Quevedo, Johann Klaj, Georg Harsdörfer u.a.

THE LEAVES BE GREENE

Im England zur Zeit Königin Elisabeths erfreuen sich die Künste einer hohen Wertschätzung, berühmte Virtuosen wie John Dowland reisen durch ganz Europa und werden von einem Hof an den nächsten weitergegeben, eine eigenständige Mischform aus Musik, Tanz und Theater (die masque) wird entwickelt, auf den Bühnen feiert man die Stücke von Christopher Marlowe und William Shakespeare – und in den bessergestellten Haushalten ist die Musik (auf dem Virginal und in Form von Gamben- und Blockflötenensembles) allgegenwärtig.

Eine Melodie ist dabei offenbar besonders beliebt: das (später) so genannte Browning. Der Ursprung dieses Liedes liegt zwar im Dunkeln, aber viele Komponisten fühlten sich angeregt, eigene Bearbeitungen zu verfassen, darunter Thomas Ravenscroft, William Byrd, Elway Bevin, William Inglott, John Baldwin, Clement Woodcock, Henry Stoning, John Pickeringe, William Cobbold u.a. Auch heute lässt die eingängige Melodie die Komponisten nicht los: Neben Tim Coker und D.H. Leedy hat der Komponist und Blockflötist Hans-Martin Linde seine Fantasien darüber geschrieben; Steve Marshall hat es unter dem Titel The leaves be blue arrangiert. Und last but not least: Das Ensemble Flöten en bloc hat zwei Kompositionen über dieses Lied in Auftrag gegeben.

So wie sich verschiedene Komponisten an dieser einen Melodie versuch(t)en, versuch(t)en sich verschiedene Übersetzer immer wieder an den Sonetten (stets zum ewig jungen Thema Liebe) von William Shakespeare. Einige Sonette haben wir ausgewählt und stellen die verschiedenen Versuche (und damit: Sichtweisen) vom 18. bis ins 21. Jahrhundert nebeneinander/gegenüber. Darunter finden sich Übersetzungen von Dorothea Tieck, Stefan George, Karl Kraus, Paul Celan, Wolf Biermann u.a.

Eine Wiederaufnahme diese Programms findet am 28. Juni 2009 um 19 Uhr in der Michaelskapelle auf dem Alten Friedhof Freiburg/Herdern statt.

Allein zu Dir, Herr Jesu Christ

Allein zu dir, Herr Jesu Christ,                                   

Mein' Hoffnung steht auf Erden;                             

Ich weiß, dass du mein Tröster bist,                           

Kein Trost mag mir sonst werden.                                  

Von Anbeginn ist nichts erkor'n,                                  

Auf Erden ward kein Mensch gebor'n,                                 

Der mir aus Nöten helfen kann;                         

Ich ruf dich an,                              

Zu dem ich mein Vertrauen han.

Dieser vor 1540 entstandene Choral hat es nicht nur der Hindemith-Schülerin Felicitas Kuckuck angetan, die darüber eine Suite für Altblockflöte und Klavier komponierte, sondern auch uns. In unserem ersten geistlichen Programm liegt der Schwerpunkt auf Bearbeitungen der beiden Choräle „Allein zu Dir, Herr Jesu Christ“ und „O Welt, ich muss dich lassen“ – letzterer wohl bekannter in der weltlichen Form mit dem Text „Innsbruck, ich muss dich lassen“.

Das Programm enthält Choräle und Choralbearbeitungen von Chr. Th. Walliser, H. Gadsch, H. Grimm, S. Calvisius, H. Isaac, P. Lutkeman, C. Orff, L. Lechner, Chr. Hollander u.a.

Im Mittelteil erklingen zwei „In nomine“ von William Byrd und drei Fantasien von Steve Marshall.











Stöbern Sie im Kalender des Ensembles ...



geändert: So, 19. Jan. 14 - Autor: fagisis webmaster
© fa-gisis - Musik- und Tanzedition